Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Augenblicke einer Reise in die Danakilwüste

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In 14 Tagen von Addis Abeba über Awash, Harar, Dire Dawa in Äthiopien nach Tadjoura, in die Godaberge zum Ardoukouba Vulkan, Lake Assale und Lake Abbe in Djibouti und über den Erta Ale und Dallolkrater in Äthiopien wieder zurück nach Addis erleben wir gewaltige Naturphänomene, faszinierende Landschaften und etwas vom äthiopisch-djiboutischen Alltag.

Um unsere Tour „Durch die Danakil Wüste“ durchführen zu können, braucht es neben dem Djibouti-Visum ein „multiple entry-Visum“ für Äthiopien. Sonst ist es nicht möglich aus Djibouti zurück zu kommen oder dort ein zu reisen. Als Reiseleitung interessiert mich deshalb immer sofort zu Beginn die Gretchenfrage, ob ein S (für single) oder M (für multiple) im Visum vermerkt ist.

Die Erfahrung zeigt, dass das „M-Visum“ – besonders bei Schweizer Teilnehmern – trotz richtiger Beantragung und Bezahlung oft nicht korrekt ausgestellt wird. Auch bei dieser Reise taucht am Morgen nach einer extrem kurzen Nacht wegen der verspäteten Ankunft am Flughafen ein solches Visum auf. Der Fehler revidiert werden kann durch Neubeantragung und bürokratisch langes Warten in Addis Abeba.

Mit einer langen Tag Fahrt durch wunderschöne Berglandschaft erreichten wir Harar. Nach einer besonderen Hyänenfütterung – es gab zusätzlich zu den üblichen Fleischstückchen ein ganzes Kamel auf dem Tablett – brachen wir zu einem an sich als sehr gut bekanntes Restaurant auf. Da der Besitzer gewechselt hatte und dieser auch nicht anwesend war, erlebten wir einen Service der besonderen Art. Nach langwierigen Bestellungen kommt irgendwann auch endlich das erste Essen. Der Gast bemerkte erst nach den ersten Bissen, dass der bestellte Fisch ein Huhn war. Er rügte das, gab den Teller zurück. Er wollte Fisch. Der Ober entschuldigte sich, nahm das „angefressene“ Huhn zurück und erklärte, dass das sein Fehler gewesen sei.

Die Straße von Dire Dawa zur Djibouti Grenze ist fast fertig, jedenfalls komplett befahrbar. Sie ist aber seit langem gesperrt und praktisch nicht befahrbar. Fahren muss man auf der daneben liegenden Piste, was für die 180 km etwa viereinhalb Stunden Fahrzeit bedeutet.

Wie lange die Straße schon fast fertig ist, sieht man an manchen Abschnitten, an denen die Büsche am Straßenrand schon fast mannshoch sind. Warum kaum jemand daran weiterbaut, warum an immer wieder neuen kurzen Abschnitten ein Fahren erlaubt und an anderen durch immer wieder neue hohe Kiesaufschüttungen nicht – lässt sich für mich nicht heraus finden. Auch die Fahrer wissen es nicht und schütteln den Kopf.

Vielleicht muss man es anders betrachten: Die Straße wird lange halten, weil sie auf diese Art und Weise konserviert wird. Oder man muss die Straße als Naturschutzgebiet auf der Menschen, Esel, Kamel und Gazellen gehen und stehen betrachten. Autos bleiben auf der Piste…

Auf der Rückfahrt von Djibouti nach Äthiopien gibt es eine andere Strecke. Hier ist die Straße zwar auch schon lange asphaltiert, aber mittlerweile so abgewrackt, dass man nur noch wenige Teerstellen sieht. Der Rest besteht aus Staub- und Schlaglöchern. Das Problem ist, dass darauf auch noch unzählige Lastwagen auf der Hauptverbindungsstrecke von Djibouti Hafen bis Äthiopien fahren – oder besser kriechen. So mancher ist dabei umgekippt, hat Reifen- oder andere Pannen, blockiert die Straße. Mehr als drei Stunden brauchen wir für die ca. 100 km bis zur Grenze – und das auch nur, weil wir durch das Ausweichen ins Gelände neben der Straße schneller vorankommen.

Nach der anstrengenden Fahrt von Djibouti auf der praktisch nicht mehr existierenden Straße von Dhikil zum Grenzübergang Galafi erreichen wir in der Dämmerung Asaita. Die ehemalige Afarhauptstadt empfängt uns mit quirligem Leben. Unser Hotel, direkt hoch über dem Awash gelegen ist eine sehr einfache um einen kleinen Innenhof gelegene Anlage mit Restaurant und Zimmern und Freiluft-Moskitonetz-Betten. Besonders reizvoll sind die Betten auf der Dachterrasse mit Blick auf den Awash und die umliegenden Felder und Zuckerrohrplantagen. Unzählige Marabus und andere Vögel hocken in den umliegenden Bäumen und halten nach Beute Ausschau. Wenn der Awash nicht zu hoch Wasser führt, lungern die Krokodile an seinem Sandsaum.

Die Stimmung ist gedämpft. Sind doch zwei Teilnehmer bei der Zollkontrolle an der äthiopischen Grenze jeweils etwa 100 Dollar losgeworden. Das im Gepäck versteckte Geld wurde bei den sehr aufwändigen Kontrollen der Zöllner (Jedes Gepäckstück muss aus dem Auto und geöffnet werden. Auch die Autoinnenräume werden durchsucht.) Nach einem ersten sehr leckeren Essen durch unseren ab Asaita mitfahrenden Koch legen wir uns in unsere moskitonetz-geschützten Betten.

Unsere 12-köpfige Gruppe mit einem Altersdurchschnitt circa 60 Jahren – aber alles fitten Leuten – bereitet sich auf den Erta Ale vor.

Bei vorherigen kleinen Wanderungen wird ersichtlich, dass die meisten einen sicheren stabilen Tritt haben, einige jedoch langsam gehen. Der Erta Ale ist technisch kein schwieriger Berg; bei ihm sind es höchste körperliche und psychische Belastung in einer der heißesten Gegenden der Erde, die ihn schwierig machen können. Bis knapp über 50 Grad kann es hier heiß werden.

Der älteste Teilnehmer entscheidet sich für ein Reitkamel. Zwei weitere Teilnehmerinnen sind von der Notwendigkeit nicht überzeugt und entscheiden sich dagegen. Am Tag des Aufstiegs haben wir 11 TeilnehmerInnen, 3 Kamele für den Transport von Liegematten, Schlafsäcken und Zusatztrinkwasser, 2 Afarpolizisten, 1 örtlichen Afarguide, 2 Reitkamele und insgesamt 4 Kamelführer.

Die beiden Teilnehmer, die sich für ein Reitkamel entschieden hatten, reiten und gehen abwechselnd. Eine weitere Frau kann bald nicht mehr. Der Puls tobt, ihr ist schlecht… Der gerade nicht reitende, „Kamelmieter“ bietet ihr selbstverständlich sein Kamel an. Eigentlich eine feine, geritzte Sache – denken wir. Beim Aufsteigen aber scheucht der Kamelführer das Kamel wieder hoch und erklärt, das Kamel sei nur für eine bestimmte Person bezahlt worden. Also könne auch niemand anders darauf reiten – auch wenn der Bezahler dies ausdrücklich erlaubt. Möglich sei nur, den Kamelpreis noch einmal zu bezahlen.

Die Frau versucht zunächst zu Fuß weiter zu gehen. Wir sind kurz vor dem Kraterrand. Dann kann sie aber nicht mehr. Verhandlungen einer Halbierung des Preises verliefen ergebnislos. Der Frau ging es mittlerweile so schlecht, dass sie auch in den ganzen Preis einwilligte. Am Krater angekommen, kann sie nach einer kurzen Pause wieder erholt mit zum Innenkrater gehen.

Die beschriebenen Ereignisse sollen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es dennoch eine sehr gelungene Reise mit einer sehr guten Stimmung innerhalb der Gruppe war. Auch das Geschäftsgebaren der Afar hatte ich in der Schärfe noch nicht erlebt. Und vieles gab es, was wir nur positiv empfunden hatten.

Nichtsdestotrotz sollte bei einer Anmeldung zu einer solchen Reise klar sein, dass Unzulänglichkeiten vor Ort passieren können. Vielleicht macht das auch neben den Höhepunkten den Reiz aus!?