Geschichten von unterwegs

Reisebericht: Dem Äquator nach Westen folgend

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Ecuador. Namensgebend für diesen kleinsten Andenstaat ist natürlich diese imaginäre Linie welche die Erde in Nord und Südhalbkugel einteilt. Der Äquator, verläuft durch 11 Länder und legt dabei ca. 13000 km zurück und erreicht an der Südflanke des Vulkan Cayambe mit 4500 m seine größte Höhe. Ein weiteres Phänomen an diesem Ort, es ist der einzige Ort am Äquator, an dem es regelmäßig schneit.

Ecuador ist für mich nicht nur einfach ein Reiseland, es ist eine Passion. Meine dritte Reise führte mich in die Anden und nach Galapagos – ein Traum sollte in Erfüllung gehen.

Im etwas verregneten Mai, was eine tolle und mystische Stimmung zur Folge hatte, ging es für einen kurzen Abstecher nach Norden. In der Gemeinde von Karanki-Magdalena wartete eine besondere Übernachtung auf mich. Ein Homestay inmitten der malerischen Anden, den traditionell bewirtschafteten Feldern und im Haus einer freundlichen Familie. Näher und authentischer kann ein Erlebnis kaum sein. Die Wohnhäuser der sechs beteiligten Familien wurden jeweils um ein paar Räume erweitert, sind einfach und traditionell gehalten. Gegessen wird in der Küche, auch ein Blick in den Topf, wird hier nicht verwehrt. Den Abend lasse ich zusammen mit Rodrigo, meinem Guide, am gemütlich knisternden Kamin ausklingen.

Für alle Reisenden, die sich etwas mehr Zeit nehmen möchten, kann ich nur wärmstens empfehlen, länger zu bleiben um einen intensiveren Einblick in das Leben zu bekommen. Ob beim Brot backen, gemeinsamen Kochen, der Feldarbeit oder beim Füttern der Tiere, werden Sie ein Teil der Community.

Ein unvergessliches Erlebnis sei Ihnen garantiert.

Über die gewaltige und traumhaft in die Natur eingebettete Lagune Cuicocha führte uns der Weg nach Otavalo. Bis weit über die Landesgrenzen hinaus sind die Otavaleños für ihr Kunsthandwerk bekannt. Auf dem bunten Markt überzeuge ich mich wieder einmal davon. Fein gewebte Tücher, farbenfroher Schmuck, Panama-Hüte und unterschiedlichste Stände mit Bekleidung ziehen mich und andere Besucher in ihren Bann. Die Ecuadorianer hingegen erledigen hier ihren ganz normalen Einkauf. Neben Waren für den täglichen Bedarf gibt es unzählige, farbliche Variationen von Kartoffeln und Mais von klein bis groß.

Zurück im wunderschönen Quito, bereite ich mich auf den absoluten Höhepunkt meiner Reise vor: Galapagos.

1553 zufällig durch spanische Seefahrer entdeckt, im 17. Jahrhundert Rückzugsort für Piraten, 1835 vom berühmten Naturwissenschaftler Charles Darwin besucht und seit 1978 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt, hat sich der Archipel bis heute den Ruf eines Naturparadieses erhalten. Und die ecuadorianische Regierung trägt seit den verschärften Regulierungen im Jahr 2007 seinen Anteil daran.

Mit dem Flugzeug geht es im Nahbereich des Äquators ca. 1000 km in Richtung Westen. Und plötzlich erscheinen unterhalb des Flugzeugs die ersten Inseln inmitten des endlosen Blaus des Pazifiks. Auf einer Fläche von etwa 8000 km² befinden sich ca. 130 größere und kleinere Inseln, wobei nur fünf Inseln besiedelt sind.

Von Baltra aus geht es über den Itabaca Kanal hinüber nach Santa Cruz. Am Hafen von Puerto Ayora erwartet mich ein besonderes Bild. Auf den Holzbänken sitzen nicht etwa Menschen, nein Seelöwen machen hier eine ausgiebige Siesta. Es wird klar, wer hier das Sagen hat: die Tierwelt.

Mit einem Besuch in der Charles Darwin Forschungsstation stimme ich mich zusammen mit meinen Mitreisenden auf das Abenteuer Galapagos ein. Hier gibt es viel über die Entstehung des Archipels, der Geschichte und natürlich über die faszinierende Tierwelt zu erfahren und zu lernen.

Dann geht es per Dingi (Schlauchboot) vom Hafen aus, zum Kreuzfahrtschiff, welches in der Bucht von Puerto Ayora vor Anker liegt.

4 Tage durchkreuzen wir den Archipel von Nord nach Süd und von West nach Ost. Besuchen malerische Traumstrände, wandern durch eine mond-ähnliche Landschaft, treffen auf Kreaturen die aus längst vergangen Zeiten zu entstammen scheinen. Neben den Landechsen tummeln sich putzige Blaufußtölpel, tapsige Pelikane, majestätische Fregattvögel und die flinken roten Klippenkrabben. Am urigen und teils scharfkantigen Gestein lässt sich die Kraft der Erde erkennen, welche die Inseln vulkanischen Ursprungs über Jahrmillionen hat entstehen lassen. Über 700 Pflanzenarten und eine gewaltige Vielfalt tierischer Bewohner, ob groß oder klein, ziehen den Besucher in seinen Bann und vermitteln, warum Galapagos auch der Garten Eden oder Ort der Schöpfung genannt wird.

Wie könnte so ein Tag auf einem Kreuzfahrtschiff ablaufen?

Nach einem Weckruf durch den Kapitän gibt es ein ausgiebiges Frühstück, bevor zum ersten Ausflug (Wanderung oder Bootsfahrt) gestartet wird. Anschließend kann schnorchelnd die Unterwasserwelt erkundet oder ein Sonnenbad am Strand genossen werden. Immer wieder werden auch optionale Aktivitäten (bspw. Kajak-Touren) angeboten. Zum Mittag sind Sie wieder zurück an Bord und lassen bei einer Siesta die Seele baumeln, genießen die Ruhe oder entspannen im Jacuzzi. Am Nachmittag geht es dann auf einen weiteren Ausflug. Der Ablauf gestaltet sich wie am Vormittag. Nach dem Abendessen gibt es verschiedene Vorträge durch die Naturführer, um mehr Informationen rund um den Galapagos-Archipel zu vermitteln. Auch wird der kommende Tag besprochen.

Dank der geringen Lichtverschmutzung ist es am Abend ein Genuss auf dem Sonnendeck, den meist wolkenfreien Sternenhimmel zu bewundern. Die Sternenbilder der Nord- und Südhalbkugel zeigen sich hier. Wer kann schon von sich behaupten das Kreuz des Südens und den Polarstern an einem Abend bestaunen zu können.

4 Tage gehen leider viel zu schnell vorbei und heißt Abschied zu nehmen, vom Paradies auf Erden. Aber ich bin mir sicher, es war nicht mein letzter Besuch. Mit einem letzten Blick aus dem Flugzeug werden die Inseln unter mir immer kleiner und kleiner. Dem Äquator in entgegen gesetzter Richtung und nach Norden verlassend, geht es zurück nach Deutschland. Hasta pronto Ecuador, hasta pronto Galapagos…

Überzeugen Sie sich selbst und besuchen Sie einen der letzten Schätze der Welt,

Ihr Christian Rehse

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